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Vertrauen hilft in der Digitalpubertät weiter

Was ist das richtige Maß für Kinder im Umgang mit Smartphone & Co,
und was weist Wege aus den sich daraus ergebenden Konflikten?

 

Man hat‘s nicht leicht als Pädagogin oder als Polizeikommissar: Nennt man hilfesuchenden Eltern Internetseiten und Kontaktadressen für eine erfolgversprechende Medienerziehung ihrer Kinder, bleibt man nebulös, unkonkret. Sagt man Mama und Papa auf den Kopf zu, dass sie der Schlüssel zum Problem sind, kann man aufsteigenden Widerspruch in den Gesichtern ablesen: Wir wollen doch wissen, wie man vermeidet, dass unser Sohn, unsere Tochter Verbotenes tun, gar kriminell werden! Was sollen wir tun, wenn sie den mobilen Kleinkomputer in die Hand nehmen und so schnell nicht wieder zur Seite legen? Da fällt es Anja Kegler und Günter Bubenitschek schwer, beim Vortrag "Kriminalprävention und Medienpädagogik" an der Geschwister-Scholl-Schule ihr umfassendes Fachwissen unter der Überschrift zu vermitteln: „Sie müssen Vorbild für ihre Kinder sein“.

 

Erzieherin Anja Kegler ist Referentin für Medienpädagogik im Landesnetzwerk der Aktion Jugendschutz und des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg, Erster Kriminalhauptkommissar Günther Bubenitschek arbeitet als Referent für Mediensicherheit und Medienbildung in der zentralen Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes beim Landeskriminalamt in Stuttgart. Gemeinsam bieten sie Vorträge an wie den vor rund 50 Zuhörern in der Mensa der Geschwister-Scholl-Schule. Zu dem kamen auch Gäste von der Kurpfalzschule sowie externe Besucher

 

Die Referenten sprachen über Altersfreigaben für Digitalmedien wie Computerspiele und Filme, über das Vorleben einer sinnvollen Nutzung digitaler Endgeräte, die rechtlichen Gefahrenzonen, Schutzvorkehrungen und die Möglichkeiten, gegen unakzeptable nicht kind- und jugendgerechte Medieninhalte vorzugehen.

 

Bubenitschek: „Sie müssen sich dafür interessieren, was ihre Kinder tun. Medienerziehung kommt ohne Kontrolle nicht aus.“ Das fängt längst in der Grundschule an, wenn Eltern vor der Entscheidung stehen, ihrem Kind ein Gerät mitzugeben, über das es für die Eltern erreichbar ist. Pädagogin Kegler rät dazu, den Entwicklungsstand des Kindes zu berücksichtigen. Erfahrungsgemäß seien Kinder unter 14 Jahren nicht ausreichend in der Lage, mit den Möglichkeiten des Smartphones verantwortungsvoll umzugehen. Sie können die Tragweite des eigenen Handelns noch nicht völlig angemessen einschätzen und benötigten dabei Unterstützung. Um Kontakt mit Eltern zu halten, reiche ein Handy ohne Internetzugang aus, so Kegler..

 

Wie schon bei Computerspielen und Filmen stellt sich Eltern das Problem, dass sie ihr Kind gegenüber Gleichaltrigen nicht benachteiligen wollen. Andere Kinder dürfen bereits Computerspiele oder Filme nutzen, sagt der Nachwuchs, Das kann aber in der betreffenden Altersgruppe zu Unruheverhalten führen. Probleme ergeben sich beim Verarbeiten der gezeigten Inhalte.. Eltern oder andere Vertrauenspersonen haben mit den jungen Spielern oder Zuschauern das Erlebte nicht ausführlich besprechen können. Und auch das wird zum Problem: Wer selbst ständig den Finger auf dem Berührbildschirm hat, um Mails zu checken, zu chatten oder andere Apps zu nutzen, kann schwerlich Sohn oder Tochter begreiflich machen, warum sie jetzt kein Smartphone oder Internet bentzen dürfen.

 

Hinzu kommt die Unkenntnis darüber, wie man mit dem Gesetz in Konflikt geraten kann. Bubenitschek: „Virtuelle Welten sind keine rechtsfreien Räume.“

 

Die beiden Vortragenden empfehlen Ratgeberkontakte wie www.klicksafe.dewww.internet-abc.dewww.juuuport.dewww.handysector.de oder www.irights.info. In Papierform dabei hatten sie eine Broschüre „Klick-Momente“ der Polizeilichen Kriminalprävention sowie „Scroller, das Medienmagazin für Kinder“, das via www.teachtoday.debezogen werden kann.

 

Die Daten der Kinder- und Jugendmedienkonsumstudien KIM und JIM handelten die Referenten ebenso ab wie Aspekte der IT-Sicherheit (Tipp hier: die Passwort-Management-Website www.keepass.info), die oft vergebliche Anstrengung, als Eltern eine wirksame Noch-Verbindung zu Pubertierenden zu halten und die Notwendigkeit, dass sich in der Gesellschaft allgemein eine „digitale Ethik“ erst noch herausbilden muss.m

 

Anja Kegler: „Digitale Medien sind Werkzeuge. Man kann mit ihnen tolle Sachen machen. Kinder können aber nicht lernen, richtig mit den Gefahren umzugehen, wenn man sich ganz der Anwendung verweigert. Eltern müssen es ihnen ermöglichen, mit Hilfe hier Handlungskompetenz zu erlangen.“

 

Kegler und Bubenitschek rieten dazu, mit dem Nachwuchs im Gespräch zu bleiben, sich um eine Vertrauensbasis zu bemühen. Hilfreich sei, gemeinsam altersgemäße Grenzen festzulegen und darin Freiräume zu gewähren. Die Eltern sollten ihre Anweisungen erklären, aber bei einmal vereinbarten Regeln denn auch auf deren Einhalten bestehen - „und das geht eben nicht stressfrei.“ (Bubenitschek).

 

Von den rechtlichen Grundlagen erwähnte Bubenitschek u.a. die Europäische Datenschutzgrundverordnung und den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Wer gegen jugendgefährdende Inhalte im Netz vorgehen möchte, wendet sich an die Polizei oder erhält Informationen unterwww.bsi-fuer-buerger.de.

 

Den Medienelternabend an der Geschwister-Scholl-Schule hatte der Elternbeirat organisiert und der Verein Sicheres Heidelberg ermöglicht. Dessen Geschäftsführer Reiner Greulich informierte über den Verein. Er feiert 2019 sein 20-jähriges Bestehen und steht jedem Bürger offen (www.sicherheid.de). Rektorin Sabine Horn und der neue Konrektor Stefan Hansen hatten die Akteure den Besuchern vorgestellt.